Wenn das eigene Auto zunehmend Mängel aufweist und sich die Reparaturkosten nicht mehr lohnen, ist ein Wechsel immer naheliegender. Auch der bewusste Abschied von fossilen Antrieben kann ein Grund sein, sich vom aktuellen Modell zu trennen. Die Anschaffung eines Fahrzeugs ist jedoch eine große Investition und ein Neuwagen kommt für viele nicht infrage. Ein gebrauchtes E-Auto ist daher der perfekte Einstieg in die Elektromobilität. Das ist nicht nur gut für das Budget, sondern auch für die Umwelt, denn die Weiternutzung eines E-Fahrzeugs ist der direkteste Weg, um wertvolle Ressourcen zu schonen. Der Gebrauchtwagenmarkt dafür wächst rasant mit mehr Modellen und steigender Verfügbarkeit durch Leasingrückläufe. Umso wichtiger ist es, sich intensiv damit zu beschäftigen, wie das passende E-Auto gefunden werden kann, worauf beim Kauf eines gebrauchten E-Autos zu achten ist und wie Akku und Reichweite geprüft werden können.
Umweltfreundlich vom ersten Kilometer an
Ein gebrauchtes E-Auto ist ein budgetfreundlicher Start in die E-Mobilität. Der größte Wertverlust bei einem Neuwagen erfolgt unmittelbar nach dem Kauf. Bei Gebrauchtwagen ist der Wertverlust pro Jahr bedeutend geringer und der Kaufpreis somit attraktiver. Im Vergleich zum Verbrenner sind beim E-Auto zusätzlich der Service- und Wartungsaufwand wesentlich geringer und die Betriebskosten niedriger. Beim Laden zu Hause lassen sich zum Beispiel bis zu 75 Prozent pro 100 km im Vergleich zu Autos mit fossilem Antrieb sparen. Beim öffentlichen Laden können die Kosten ähnlich hoch sein wie beim klassischen Tanken.
Ein weiterer Vorteil: Während neue E-Autos dank des Einsatzes erneuerbarer Energien in der Produktion und Herstellung von Akkus mit einem immer kleineren CO₂-Rucksack starten, bieten gebrauchte Modelle einen unschlagbaren Vorsprung. Bei gebrauchten E-Autos ist der Rucksack noch kleiner, denn die Emissionen, die bei der Herstellung entstanden sind, wurden durch den emissionsarmen Betrieb des Autos über die Jahre bereits kompensiert. So werden mit einem gebrauchten E-Auto von Beginn an Emissionen eingespart. Außerdem überzeugt der Elektromotor mit hoher Effizienz und einem überragenden Wirkungsgrad. Keine andere Antriebstechnologie kann die eingesetzte Energie in einem so großen Ausmaß in Straßenkilometer umsetzen.
Die richtige E-Fahrzeugwahl
Welches E-Auto die beste Wahl ist, hängt stark vom persönlichen Nutzungsverhalten ab. Auf langen Strecken spielt die Reichweite eine größere Rolle, für Pendel- oder Stadtautos sind Akkugröße und Reichweite oft weniger entscheidend. Für schnelles Laden empfiehlt sich eine Schnellladeleistung mit mindestens 50 Kilowatt (kW), für effiziente Klimatisierung ohne Reichweitenverlust ist ein E-Fahrzeug mit Wärmepumpe sinnvoll. So meistert ein gebrauchtes E-Auto den Alltag stets problemlos. Die Sorge vor einer zu geringen Reichweite ist meist unbegründet, da die österreichweite durchschnittliche tägliche Wegstrecke bei 35 Kilometern liegt.
So(H) what? Die Batteriediagnose
Der Akku ist das Herzstück jedes E-Autos und seine Kapazität, angegeben in Kilowattstunden (kWh), ist entscheidend für die Reichweite. Die Sorge um den Zustand der Batterie ist beim Gebrauchtwagenkauf verständlich, in der Praxis aber meist unbegründet, da die Akkus sehr langlebig sind. Für absolute Transparenz sorgt eine professionelle Batteriediagnose, wie sie etwa der ÖAMTC anbietet. Dieses zertifizierte Verfahren prüft den sogenannten „State of Health“ (SoH), also den Gesundheitszustand des Akkus, und gibt Auskunft darüber, wie viel der ursprünglichen Kapazität noch nutzbar ist.
Ing. Andreas Waldhart vom ÖAMTC Tirol betont: „Nur mit einer Batteriediagnose erhalte ich eine verlässliche Auskunft über den tatsächlichen Gesundheitszustand des Akkus. Das macht die Diagnose so wichtig – ansonsten würde ich die Katze im Sack kaufen.“
Für die Durchführung der Diagnose ist eine ÖAMTC-Mitgliedschaft notwendig. Idealerweise legt die Verkäuferin oder der Verkäufer ein aktuelles Prüfzertifikat bereits vor.
Ablauf der Batteriediagnose
- Der ÖAMTC verbaut ein Mess- und Diagnosegerät.
- Das E-Auto muss auf 100 Prozent geladen werden. Die Messung kann dann durch eine Freigabe am Smartphone gestartet werden.
- Anschließend muss das E-Fahrzeug auf unter 10 Prozent Akkukapazität leergefahren und die Messung wiederum mit dem Smartphone beendet werden.
- Der ÖAMTC baut das Messgerät wieder aus.
- Die Erstellung des Prüfzertifikats durch den ÖAMTC dauert etwa zwei Tage. Wichtig ist der in Prozent angegebene SoH-Wert. Grundsätzlich gilt: Je höher dieser ist, umso besser. Viel wichtiger ist aber der persönliche vorgesehene Einsatzzweck.
Laden im Alltag
Das Laden eines E-Autos ist schnell ein fester Teil der alltäglichen Routine und so selbstverständlich wie das Aufladen des Smartphones am Abend. Rund 80 bis 90 Prozent aller Ladevorgänge finden zu Hause statt. Dafür ist die Installation einer sogenannten Wallbox die ideale Lösung. Eine Ladeleistung von bis zu elf Kilowatt (kW) ist perfekt auf den Alltag ausgelegt, denn die langen Standzeiten über Nacht reichen vollkommen aus, um den Akku für die nächsten Fahrten wieder aufzuladen. Mit der passenden Ladeinfrastruktur zuhause wird die eigene Tankstelle Realität. Der Königsweg ist dabei das Laden mit dem eigenen, erneuerbaren Strom aus einer PV-Anlage.
Für den schnellen Energieschub auf längeren Strecken steht ein stetig wachsendes Netz an öffentlichen Schnellladestationen bereit, etwa an Hauptverkehrsrouten oder bei Einkaufszentren. Ladeleistungen von über 150 kW ermöglichen dabei besonders kurze Ladezeitungen und eine zügige Weiterfahrt. Vor dem Kauf ist es wichtig zu prüfen, welche Ladeleistung das gebrauchte E-Auto aufnehmen kann – sowohl für das Laden zu Hause als auch für die Schnellladung unterwegs.