Wohin entwickelt sich KI in den nächsten Jahren gerade auch im Hinblick auf Effizienz und Energieverbrauch?
Christoph Dolna-Gruber: Laut Schätzungen der Internationalen Energieagentur könnte sich der Stromverbrauch von KI und Rechenzentren bis 2030 tatsächlich um das Drei- bis Vierfache erhöhen. Das würde dann bis zu vier Prozent des weltweiten Bedarfs ausmachen. Gleichzeitig sehen wir aber auch enorme Fortschritte bei der Hardwareeffizienz. Es werden immer wieder neue Modelle entwickelt, beispielsweise aus China, die bei gleicher Leistung deutlich weniger Energie benötigen. Dieser rasante technologische Fortschritt macht es allerdings schwierig, eine verlässliche Prognose für die Zukunft zu treffen und zeigt, wie dynamisch dieses Feld ist.
Das Thema KI wird auch immer wieder in Zusammenhang mit höheren Energiepreisen diskutiert. Welche Auswirkungen könnte das für einzelne Haushalte haben?
Christoph Dolna-Gruber: Einerseits könnte der KI-Boom die Strompreise tatsächlich anheben, wenn dadurch die Nachfrage plötzlich steigt. Auch das Risiko von einseitigen Netzbelastungen kann zunehmen. Andererseits bietet KI aber genauso die Möglichkeit, Kosten für Haushalte zu reduzieren. Ein gutes Beispiel sind Smart-Home-Anwendungen, die helfen, den eigenen Stromverbrauch zu optimieren und so das Haushaltsbudget zu entlasten.
Welche konkreten Vorteile kann KI beim Energiesparen im Alltag bringen?
Christoph Dolna-Gruber: Im Alltag sehen wir die Vorteile schon heute: KI-gesteuerte Smart-Home-Systeme ermöglichen eine punktgenaue Steuerung von Heizung und Beleuchtung. Die künstliche Intelligenz erkennt dabei die Gewohnheiten der Nutzer*innen und kann darauf basierend ganz konkrete Tipps zum Energiesparen geben. Eine weitere Möglichkeit ist die intelligente Steuerung von Geräten. So lassen sich Waschmaschinen oder Ladestationen für Elektroautos so steuern, dass sie dann automatisch laufen, wenn der Strom besonders günstig ist oder ein hoher Anteil erneuerbarer Energie im Netz zur Verfügung steht. Selbst wer viel unterwegs ist, kann profitieren, indem KI dabei hilft, die effizientesten Routen zu optimieren. Die Anwendungsmöglichkeiten sind also enorm vielfältig und reichen direkt in unseren Alltag hinein.
Stichwort KI im Alltag: Wo macht der Einsatz von KI im Alltag Sinn? Wo siehst du die Verwendung kritisch?
Christoph Dolna-Gruber: Ein sinnvoller Einsatz von künstlicher Intelligenz ist überall dort gegeben, wo sie Menschen im Alltag dabei unterstützt, Dinge schneller, effektiver oder günstiger zu erledigen. Gerade im Energiesystem spielt KI eine wichtige Rolle, um die vielen unterschiedlichen Erzeuger, Speicher und Verbraucher intelligent miteinander in Einklang zu bringen. Genauso wichtig ist aber der kritische Blick. Problematisch wird es dort, wo Datenschutzfragen aufkommen, die KI eigenmächtig und intransparent Entscheidungen trifft, die für Nutzer*innen nicht mehr nachvollziehbar sind und ihnen im schlimmsten Fall sogar schaden. Hier besteht ein klares Potenzial für Missbrauch, bei dem wir wachsam sein müssen.
Was ist deine persönliche Sichtweise auf KI und wofür nutzt du sie?
Christoph Dolna-Gruber: Ich sehe KI als ein mächtiges Werkzeug für mehr Effizienz und effektiveres Arbeiten, manchmal sogar als Impulsgeber für Kreativität. Persönlich nutze ich sie immer wieder, um mir einen schnellen Überblick über komplexe Themen zu verschaffen und um herauszufinden, wo es sich lohnt, tiefer zu recherchieren. Dabei stelle ich allerdings auch fest, dass die KI bisweilen unplausible Ergebnisse oder schlicht Fehler produziert. Das zeigt mir ganz klar: Sie kann menschliche Expertise und die Fähigkeit zum vernetzten Denken noch lange nicht ersetzen.