Die Europäische Mobilitätswoche rückt nachhaltige Mobilität auch in Tirol in den Fokus. Wie erfolgreich die Elektrifizierung des öffentlichen Verkehrs in Tirol bereits voranschreitet, zeigt das Beispiel Kitzbühel: Seit Mai 2026 sind auf den Stadtbuslinien ausschließlich Elektrobusse im Einsatz. Damit wird der innerstädtische öffentliche Verkehr zu 100 Prozent elektrisch betrieben. Die Umstellung ist Teil einer Entwicklung, die in immer mehr Regionen Tirols Fahrt aufnimmt und einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Zielsetzung TIROL 2050 energieautonom leistet.
„Die Elektrifizierung des Verkehrs ist einer der wichtigsten Hebel, die wir haben. Elektrofahrzeuge, ob Autos oder Busse, nutzen Energie nicht nur deutlich effizienter als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, sondern können auch mit heimisch erzeugtem Strom betrieben werden“, hält Rupert Ebenbichler, Geschäftsführer der Energieagentur Tirol, fest.
Eine Schlüsselrolle bei der Elektrifizierung des öffentlichen Verkehrs kommt dem Verkehrsverbund Tirol (VVT) zu. Er entwickelt Verkehrskonzepte und Fahrpläne für die Regionen und schreibt diese aus. Dabei können auch Anforderungen an die eingesetzten Fahrzeuge festgelegt werden, erklärt Alexandra Medwedeff vom VVT. Die Umstellung auf E-Busse brauche eine langfristige Planung. Fahrzeugverfügbarkeit, Ladeinfrastruktur, Betriebskonzepte und Wirtschaftlichkeit seien zentrale Faktoren. Von den ersten Überlegungen bis zum Linienbetrieb vergehen laut Medwedeff oft mehrere Jahre. Ermöglicht wird die Umstellung auch durch eine Bundesförderung, die die wirtschaftliche Umsetzung der Elektrifizierung des öffentlichen Verkehrs maßgeblich unterstützt.
Vorteile für Lenker*innen und Gäste
Wie sich die Elektrifizierung im Alltag bewährt, zeigt sich in Kitzbühel. Die Busse werden von ÖBB-Postbus betrieben und sind seit mehreren Monaten auf den Stadtbuslinien im Einsatz. Für Manfred Rieger, Technischer Leiter der Verkehrsleitung Kitzbühel, hat sich die Entscheidung bereits bewährt:
„Für uns ist wichtig, dass der E-Bus im täglichen Betrieb planmäßig funktioniert. Die Elektromobilität bietet zahlreiche Vorteile, sei es bei den Emissionswerten, den Wartungsarbeiten oder dem Reisekomfort für Fahrgäste und Busfahrer*innen“, so Rieger.
Die Fahrzeuge erreichen mit einer Akkuladung eine Reichweite von rund 350 Kilometern. Da die täglichen Umläufe deutlich darunter liegen, stehe ausreichend Reserve zur Verfügung. Geladen werden die Busse auf dem Betriebsgelände an Schnellladestationen mit bis zu 360 Kilowatt Leistung. Auch Buslenker, Andreas Parolini, zieht eine positive Bilanz:
„Der E-Bus fährt ruhig und gleichmäßig, bremst gut durch die Rekuperation und ist leise.“
Das komme auch bei den Fährgästen gut an, berichtet Parolini, der seit rund 15 Jahren für Postbus in Kitzbühel unterwegs ist.
Immer mehr E-Busse in Tirol
Kitzbühel ist mit seiner Entwicklung nicht allein. Auch in anderen Regionen Tirols sind Elektrobusse bereits erfolgreich im Einsatz. In Innsbruck und dem Zentralraum verkehren mittlerweile 27 E-Busse. Auf dem Seefelder Plateau verbinden 13 Elektrobusse die Gemeinden Seefeld, Leutasch, Reith und Telfs. Weitere Fahrzeuge sind unter anderem in den Regionen Landeck, Serfaus-Fiss-Ladis sowie im hinteren Zillertal unterwegs.
Zusätzlich fahren noch weitere E-Busse durch Tirol, die in Eigeninitiative der Busunternehmen betrieben werden – wie etwa die 15 elektrifizierten Tuxer Sportbusse von Christophorus Reisen in der e5-Gemeinde Tux. Auch in der e5-Gemeinde Sölden sind sieben E-Busse in Eigeninitiative der Ötztaler Verkehrsgesellschaft unterwegs. Durch die e5-Gemeinde Kufstein, betrieben von den Stadtwerke Kufstein, fährt der Freizeitbus als E-Bus und auch der Swarovski Kristallwelten Shuttle von ÖBB-Postbus fährt elektrisch.
Zwei Drittel weniger Energiebedarf
„Diese Projekte zeigen, dass die Energiewende nicht nur ein Zukunftsbild ist, sondern bereits heute erfolgreich umgesetzt wird“, betont Ebenbichler.
Auf dem Weg zu TIROL 2050 energieautonom muss der Endenergiebedarf des Verkehrssektors um 62 Prozent sinken. Einen wesentlichen Beitrag dazu leisten die hohen Effizienzgewinne elektrischer Antriebe.
„Gleichzeitig braucht es weitere Maßnahmen, um den Verkehr nachhaltiger zu gestalten: Dazu zählen die Verlagerung auf die Schiene, etwa durch den Brenner Basistunnel, sowie eine konsequente Stärkung des Fuß-, Rad- und öffentlichen Verkehrs.“